
Erscheint
am 21. April 2027
«Eine listige Geschichte mit Sprengkraft» Willi Wottreng
«Gigerhannes» erzählt die vielschichtige, historisch inspirierte Geschichte des Fahrenden Johann Majoleth.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zog er mit seiner Frau Mariann als Musiker und Geschichtenerzähler durch die Schweiz. Mit Geige, Hackbrett und lebhafter Fantasie brachten sie Klang und Licht in Zeiten, die oft hart und abweisend waren – und fanden doch immer wieder offene Türen.
Die Novelle verbindet historische Fakten mit lebendig ausgeschmückten Geschichten und zeichnet das Porträt eines Mannes zwischen Wirklichkeit und Legende.
«Majoleth erzählt die Vita des Gigerhannes wie einen Rosenkranz von Stories, die am ‹Funi›, dem jenischen Lagerfeuer, dargeboten werden.» Willi Wottreng
Rico holte tief Luft und mir wurde klar, dass wir längere Zeit auf dieser Bank sitzen würden. «Hannes’ Familie hatte selten und nie lange ein festes Dach über dem Kopf», sagte er und blickte über den See. «Warum, das wissen wir nicht. Vielleicht hätte sie das gerne gehabt? Gerade als Korbflechter mussten sie die Standorte der Weiden kennen und Zugang zum Wasser haben, um die Weidenruten fürs Flechten vorzubereiten. Als Musiker wiederum waren sie in einem weiten Radius unterwegs. Die guten Bürger nannten sie verächtlich Zigeuner, Vaganten, Kinderdiebe. Dabei fürchteten sie bloss, was sie nicht kannten und für sie unberechenbar war. Und wer unberechenbar ist, der muss gefährlich sein. Aus Unsicherheit vertrieben sie diese Menschen von dem Boden, den sie als den ihren bezeichneten. Wieder und wieder sahen sich die Fahrenden gezwungen, ihre Bündel zusammenzupacken und weiterzuziehen. Gefahren sind sie übrigens höchst selten, die Fahrenden. Das Einzige, was rollte, war der Karren mit ihren Habseligkeiten, den sie vor sich herschoben.»

Marco Majoleth wuchs im aargauischen Freiamt auf und lebt heute in Bünzen. Seine Familiengeschichte führt jedoch nach Graubünden und in die Erzähltraditionen der Jenischen. Von dort kamen die Geschichten, die in seiner Familie bewahrt, weitererzählt
und ausgeschmückt wurden. Sie prägten ihn früh. Vielleicht studierte er auch deshalb Geschichte und deutsche Literaturwissenschaft. Die Novelle «Gigerhannes» ist sein literarisches Debüt.
Mehr zum Buch, zur historischen Figur und zur Geschichte der Musikantenfamilie Majoleth:
Willi Wottreng ist Historiker und Buchautor. Seine Bücher handeln meist von Menschen am Rand, die er als Mittelpunkt einer eigenen Welt darstellt. Darunter finden sich das Porträt des Bündner Jenischen Robert Huber und ein Roman über die jahrhundertealte Jenische Kultur (Jenische Reise). Seit Jahren wirkt er als Geschäftsführer der Radgenossenschaft der Landstrasse, der Dachorganisation der Jenischen und Sinti der Schweiz. Zusammen mit dem Präsidenten Daniel Huber war er Mitinitiant der Vorstösse, die zur Anerkennung der Jenischen als nationale Minderheit (2016) und zur Anerkennung der Familienzerreissungen als «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» (2025/2026) führten.
Florian Kuhn absolvierte eine Schreinerlehre, sammelte Erfahrung in der Betreuung und schloss danach die gestalterische Berufsmaturität sowie das gestalterische Propädeutikum ab. Seit 2024 befindet er sich in der Ausbildung zum Physiotherapeuten. Seit etwa 15 Jahren beschäftigt er sich mit Scherenschnitten. Seine Fertigkeiten hat er sich weitgehend autodidaktisch angeeignet und weiterentwickelt. Florian Kuhn zeichnet seine Motive von Hand vor und schneidet sie mit der Schere aus. Inspiration findet er in seiner Umgebung und in Themen, die ihn persönlich beschäftigen. Seine Arbeiten knüpfen an die Tradition des Scherenschnitts an, erweitern sie jedoch um eigene, nicht immer traditionelle Bildwelten.
Marco Majoleth
Gigerhannes
Novelle mit einem Nachwort von Willi Wottreng
ca. 144 Seiten, 13 × 21 cm, Freirückenbroschur mit Schutzumschlag
Umschlagbild: Scherenschnitt von Florian Kuhn
ca. CHF 32.– / € 28.–
ISBN 978-3-905748-18-5
Erscheint im April 2027

